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Mein erster Marathon 2013

Mein erster Marathon

Berlin, 22. September 2013, 8:44Uhr:

Ich stehe in der Startaufstellung zum Berlin Marathon mit mehr als 40.000 anderen Läufer und Läuferinnen. Noch eine Minute bis zum Start. Ich habe Schiss, richtig Schiss. Warum nur, warum machst das nur? Marathon, warum Marathon?

Die Startmusik ertönt, der Sprecher zählt herunter und dann „peng“ der Startschuss wurde gegeben und ich rücke aus meinen Startblock eng an eng mit den anderen Läufern vor zur Startlinie – es geht los.

Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke!

Aber alles zurück auf Anfang. Wie kommt man auf solch eine Schnapsidee Marathon laufen zu wollen?

Bei mir war das mehr oder weniger spontan. Viele aus meinem damaligen Laufverein haben sich für den Berlin Marathon 2013 angemeldet. Ich habe bei vielen der Marathoneinheiten in abgespeckter Form mittrainiert. Ein schneller Halbmarathon im Herbst war bis dahin mein Ziel, für welches ich auch im Sommer im Trainingslager war. Nach der ersten Woche kam eine Mail, in der ein Vereinskollege anfragte, ob ich nicht seinen Startplatz haben möchte. Er kann nicht – Achillessehne entzündet…

Nach kurzem Zögern und Rücksprache mit meinem Freund und meinem damaligen Trainer in Stuttgart hatte ich zugesagt. Total verrückt. Ich hatte noch 11 Wochen, das muss reichen. Dementsprechend wurde das Training angepasst. Wochenkilometer hoch, Geschwindigkeiten und Intensität runter. Woche für Woche verstrich, das Training lief gut. Trotzdem stieg die Nervosität – 42,195km, wie soll ich das nur schaffen?

Zurück zum Marathonstart nach Berlin:

Ich laufe Marathon, verrückt!

Ja nicht zu schnell anfangen! Ich laufe, versuche mein Tempo zu treffen. Die Nervosität ist schlagartig weg. Mist, der erste Kilometer war viel zu schnell! Egal, weiter, schön rollen lassen…Kilometer 5 – Das Tempo ist immernoch etwas zu schnell. 3:15h hab ich mir vorgenommen. Kilometer für Kilometer laufe ich der blauen Linie entlang, hinter mir, vor mir, neben mir überall Läufer. Ein unglaubliches Gefühl. Da ist schon die Halbmarathonmarke. Das Tempo ist gleich geblieben und es rollt. Kilometer 25, das erste Gel ist im Bauch. Bald kommt Sie, die berüchtigte 30 Kilometermarke. Hier fängt der Marathon erst an, sagt man. Ich hatte Angst vor dem berüchtigten „Mann mit dem Hammer“, aber die Begegnung blieb aus. Dieses Mal…

Schwer wurde es trotzdem. Ab Kilometer 30 merkt man langsam, was der Körper bis dahin schon geleistet hat. Die Beine sind schwer, der Kopf müde, des Tempo wird etwas langsamer. Kilometer 35, viele der Läufer fangen zu gehen an, bleiben stehen und geben auf. Kämpfen, mein Freund der bis dahin schon mit mir mitgelaufen ist schreit mir zu: „Weiter, immer weiter nur nicht stehen bleiben. Du kannst das!“ Ich laufe weiter, kämpfe, mein Körper schmerzt. Ich erreiche die 40 Kilometermarke und mit ihr die Gewissheit, ich werde es schaffen! Das Brandenburger Tor taucht in meinem Sichtfeld auf. Mein Freund ist neben mir, die Leute an der Strecke klatschen, Musik läuft und da sehe ich es, das Ziel!

Nur noch ein paar Meter, ich überquere die Ziellinie. Kein Schritt weiter, ich kann nicht mehr. Mein Körper ist leer, ausgepumpt, total erschöpft. Ich habe alles gegeben. Diese Schmerzen, nie wieder, nie wieder werde ich einen Marathon laufen! Ich schaue auf meine Uhr und sehe unglaubliche 3:05:23h. Ich kann es nicht glauben, die Gefühle überfallen mich, es ist unbeschreiblich.

Nie wieder habe ich gesagt und dieses Jahr werde ich es schon wieder tun und zum 4. Mal an der Startlinie eines Marathons stehen. Warum? Ich weiß es noch immer nicht genau. Das Training ist härter als zuvor, denn dieses Mal habe ich das Ziel die 3h-Marke zu knacken. Ob ich das schaffe weiß ich noch nicht, aber ich werde alles geben.